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Wie nach jedem großen Fest kam es auch in der Trachtenkapelle zu einem Umbruch. Dirigent Robert Baur nutzte die Wintermonate, um 17 Jungmusiker in die Kapelle zu integrieren. Beim „Abend voller Blasmusik“ im März 1989 zeigten nunmehr 53 Musikerinnen und Musiker ihr Können. Nach getaner Integrationsarbeit verkündete er dann, dass er sein Amt nach der kommenden Saison zur Verfügung stellt. Grund waren die Aktivitäten der AH-Musik, mit denen er sich nicht identifizieren konnte. Und so dirigierte er am 07. April 1990 sein letztes Frühjahrkonzert, zu dem unser Abteilungsleiter Anton Butzmann für hervorragende Dienste um die Laienmusik mit der bronzenen Bundesnadel des Musikbundes ausgezeichnet wurde. Bezirksvorsitzender Heiner Metzger ehrte auch Karl Müller mit der Fördermedaille in Bronze und unseren Sportfreunde Vorsitzenden Helmut Schneider mit dem Ehrenteller des Musikbezirkes 9.

Den letzten Auftritt bestritt Robert Baur am 19.08.1990 beim Altstadtfest in Illertissen. Als Nachfolger konnte mit Erwin Graf jun. ein Vollblutmusiker aus den eigenen Reihen als Dirigent gewonnen werden. Die Musik liegt der Familie Graf im Blut, war doch schon sein Vater Erwin Graf sen. lange Jahre als Vorstand und Kassierer eine treibende Feder für die Blasmusik in Schießen.

Nach Robert Baur kündigte auch Abteilungsleiter Anton Butzmann an, sich zurückzuziehen. In der Jahreshauptversammlung am 30.11.90 wurde der bis dahin stellvertretende Abteilungsleiter Alois Konrad zum Abteilungsleiter gewählt. Der Vorsitzende Helmut Schneider bezeichnete die Versammlung als „historischen Tag“, den er mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Erinnerung behalten wird. „Einerseits ist es schade, so engagierte und zuverlässige Männer wie Butzmann Anton und Baur Robert zu verlieren, andererseits freut er sich, dass diese Positionen mit Konrad Alois und Graf Erwin jun. wieder so gut besetzt werden konnten“. Kreisrat Karl Müller würdigte die Arbeit von Butzmann und Baur und rief die Trachtenkapelle zur Geschlossenheit auf, damit sie auch in Zukunft das Aushängeschild von Schießen bleibt.

Mit dem Ausscheiden des Dirigenten und Sängers Baur Robert fand sich ab 1991 mit Brigitte Aschenbrenner und Alexander Lecheler ein neues Gesangsduo, das auf viele Jahre hinaus die Auftritte der Trachtenkapelle mit ihrem Gesang bereichern sollte. Als besonders hilfreich erwies sich, dass Robert Baur weiterhin in der Jugendausbildung aktiv war und auch als Klarinettist die Trachtenkapelle verstärkte.

Alois Konrad sollte für fast 8 Jahre bis zum Oktober 1998 als Abteilungsleiter der Trachtenkapelle tätig sein, bevor er sich aus privaten Gründen aus der Musik zurückzog. In seine Ära fallen die Wiederaufnahme der Bürgerbälle, der Ausbau der Musikanlage und viele schöne Ausflüge.

Zum zweiten Mal nach 1988 machte ein Bundesminister Station in Schießen. Dem CSU Ortsverband Roggenburg mit seinem Vorsitzenden Karl Müller gelang es, den Bundesfinanzminister anlässlich der Bundestagswahl für einen Wahlkampfauftritt nach Schießen zu bekommen. Die Trachtenkapelle umrahmte den Abend musikalisch, zu dessen Schluss Theo Waigel den Bozner Bergsteiger Marsch dirigierte.

Vom 21. – 23.06.1991 wurden 20 Jahre Sportfreunde Schießen gefeiert, zu dessen Gelingen neben den Bibertalern am Freitag, dem Bayrischen Bierabend mit der Trachtenkapelle am Samstag auch die Musikkapellen Biberach, Silmingen und Wiesenbach am Sonntag beigetragen haben.

Anlässlich der Einweihung des neuen Gerätehauses der Freiwillegen Feuerwehr Schießen am 15.09.1991 gestalteten wir die Messfeier, den Festakt und anschließenden gemütlichen Teil, der auf dem Vorplatz des Gerätehauses stattfand.

Am 03.07.1992 konnte gemeinsam mit den Kapellen aus Biberach und Meßhofen im Rahmen eines Festaktes im Vereinsheim in Schießen unserem Herrn Bürgermeister Adolf Thoma zum 60. Geburtstag gratuliert werden.

Ungebetene Gäste waren 1992 auch zu verzeichnen. Mit dem Einbruch im Vereinsheim wurde auch der Proberaum in Mitleidenschaft gezogen. Die Holzvertäfelung im Proberaum wurde beschädigt und Teile der Verstärkeranlage gestohlen. Leider konnte der Einbruch nie aufgeklärt werden.

Grund zum Feiern hatten unsere Kameraden der Hubertusschützen, die am 29.05.1993 den Festabend zum 70-jährigen Jubiläum feierten. Nach der Messe um 18.30 Uhr marschierten wir ins Vereinsheim und umrahmten neben dem Festakt auch den anschließenden gemütlichen Teil.

Unbestrittener Höhepunkt in 1994 war das 25-jährige Partnerschaftsjubiläum von Prad am Stilfser Joch und dem Landkreis Neu-Ulm, welches vom 30. – 31. Juli stattfand. Der Landkreis hat die Trachtenkapelle eingeladen, als Gastkapelle mit nach Prad zu fahren. Den Samstag bereicherten wir mit einem Standkonzert am Marktplatz und einem Konzert am Musikpavillion. Dass die Prader nicht nur an unserer Musik, sondern auch an unseren Musikermädels Gefallen gefunden hatten, belegte eindrucksvoll das nächtliche Standkonzert der Prader Burschen vor dem Hotelzimmer unserer Musikerinnen. Den Sonntag eröffneten wir mit der musikalischen Umrahmung der heiligen Messe. Anschließend spielten wir zur Unterhaltung beim mit dem Besuch verbundenen Pfarrfest auf. Nach der offiziellen Verabschiedung gegen 16.00 Uhr und dem Austausch der Gastgeschenke ging es dann zurück in die Heimat. Diese zwei Tage haben sich lange in Erinnerung gehalten. Das Wetter war herrlich, wir wurden bestens verpflegt und untergebracht, die Organisation von Herrn Brechtel vom Landratsamt war hervorragend und Landrat Franz Josef Schick lobte uns als „hervorragenden Vertreter des Landkreises Neu-Ulm“.

1995 wurde für 13000 DM eine komplett neue Verstärkeranlage angeschafft, die über die Jahre stetig ausgebaut wurde und sich in Teilen noch heute in Gebrauch befindet. Im April kam unser langjähriger Musikkamerad Maier Josef bei einem tragischen Autounfall ums Leben, der über 15 Jahre in Jugendkapelle und anschließend der Trachtenkapelle als Tenorhornist aktiv war.

Am 16. Und 17. September 1995 machten wir uns erstmals nach Strahlungen auf den Weg. Eingefädelt wurde der Besuch von Elisabeth März, die in Strahlungen ihre neue Liebe gefunden hat. Der Besuch wurde gleichzeitig für einen Ausflug genutzt. So konnten wir unser Mittagessen in Eisenach genießen, bevor es zu einer Führung auf die Wartburg ging. Abends spielten wir zu einem Bierabend auf. Nach dem von uns gestalteten Gottesdienst am Sonntag beteiligten wir uns noch am Umzug. Wir haben in Strahlungen neue Freunde gefunden.

Zum Ende des Wahlkampfes um das Bürgermeisteramt der Gemeinde Roggenburg hat Franz-Clemens Brechtel am 08.März 1996 ins Vereinsheim eingeladen. Die Trachtenkapelle sorgte nach dem politischen Teil zusammen mit dem Heimatdichter Hans Span für schwäbische Gemütlichkeit. Als Krönung des Abends lud uns Landrat Franz Josef Schick (auf einen Kommentar von Sänger Alexander Lecheler, dass es der „Schiaßener Musik“ vor 2 Jahren in Prad ganz gut gefallen hat) spontan zu einem erneuten Besuch nach Prad anlässlich seiner bevorstehenden Verabschiedung ein.

Diese fand vom 20. – 21. April 1996 in Prad am Stifser Joch statt, wo neben seiner Ernennung zum Ehrenbürger von Prad auch Franz-Clemens Brechtel verabschiedet wurde, der künftig als Bürgermeister der Gemeinde Roggenburg tätig sein sollte. Schon längst überfällig, kam am Abend des 19. April noch rechtzeitig der Sohn von Sänger Alexander Lecheler zur Welt, so dass auch er die Reise nach Prad mit antreten konnte. Zusammen mit den Prader Vereinen trugen wir unseren Teil zum Festakt bei, bevor wir uns am Südtiroler Buffet mit Speck, Kaminwurz; Käse und anderen Köstlichkeiten stärken konnten. Auch der Wein fand großen Anklang. Wir unterhielten die Festgemeinde bis 01.30 Uhr und setzten uns dann mit den Pradern in großer Runde um die Reste des Buffets. Das ging, bis der Prader Bürgermeister seine Leute und uns schließlich aus der Stadthalle warf. Herr Brechtel, bestens mit den Musikergewohnheiten vertraut, hat uns Gott sei Dank noch einen „Schlaftrunk“ herrichten lassen. Nach Frühschoppen und gemeinsamen Mittagessen ging es am frühen Nachmittag wieder zurück in die Heimat. Prad am Stilfser Joch, immer eine Reise wert.

Als Dankeschön für die Einladung spielten wir selbstverständlich auch zur offiziellen Verabschiedung von Landrat Franz Josef Schick im Landratsamt Neu-Ulm am 26.04.1996.

Bereits einen Monat später konnten wir am 24.05.1996 den neu gewählten Landrat Erich Josef Geßner in Schießen begrüßen, der seine Wahlhelfer ins Vereinsheim nach Schießen eingeladen hatte.

Neben dem Kirchenzug anlässlich der Orgeleinweihung am 05. Mai stand im Juni noch das 25-jährige Jubiläum der Sportfreunde Schießen auf dem Programm. An drei Tagen vom 21. – 23. Juni 1996 wurde anständig gefeiert, wobei wir das Standkonzert am Feuerwehrhaus, den Marsch ins Festzelt, den Festakt und anschließenden Samstagabend zusammen mit der Volkstanzgruppe aus Senden gestalteten. Im September besuchten wir auf Vermittlung unseres Wurmlinger Vorstandes Hans Hartmann das Weinfest in Niederhausen an der Nahe. Nach einem gelungenen Wochenende versicherte uns Vorstand Beuscher, dass dies nicht der letzte Besuch in Niederhausen war.

Den musikalischen Abschluss eines ereignisreichen Jahres bildete die Einweihung und Segnung der neuen Tragkraftspritze der FFW Schießen am 27.10., bei der auch der langjährige Hans Butzmann in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums unserer Fußballer stand am 17.07.1997 ein Freundschaftsspiel gegen die Amateure des FC Bayern München an, das mit 9:1 verloren ging. Im Anschluss an das Spiel unterhielten wir die Fußballfans vor dem Vereinsheim. Für das anschließende Fest vom 18. – 20.07.97 wurde glücklicherweise ein Zelt aufgestellt. Das ganze Wochenende regnete es fast ununterbrochen. Wir spielten zum Festakt und zum Stimmungsabend im Zelt.

Viele Bürgerinnen und Bürger waren dabei, als am 12. Oktober 1997 die neue Kläranlage ihrer Bestimmung übergeben wurde. Auch auswärtige Gäste, darunter unser Landrat Erich Josef Geßner, MdL Franz Ihle und der Chef des Wasserwirtschaftsamtes Krumbach, Sepp Jagersberger gaben uns die Ehre ihres Besuches. Bürgermeister Brechtel bedankte sich bei der Trachtenkapelle für den musikalischen Rahmen.

Ein großer Schritt in die Zukunft konnte im Oktober 1998, mit dem Gewinn von Christian Graf als Jugendbetreuer, gemacht werden. Weiterhin wurde beschlossen, dass wir uns der Jugendkapelle Meßhofen – Ritzisried unter der Leitung von Gabriele Müller anschließen und bereits im März 1999 konnte der Musikernachwuchs als Jugenkapelle Meßhofen-Ritzisried-Schießen seine erfolgreiche Premiere auf der neuen Bühne im Vereinsheim feiern.

Im April 1999 wurde Alexander Lecheler zum neuen Abteilungsleiter gewählt, der die Amtsgeschäfte von Reinhard Scholz übernahm. Reinhard hatte die Abteilung von Oktober 1998 bis April 1999 interimsweise geführt. In der Folgezeit wurden die traditionellen Frühjahrskonzerte in den Herbst verlegt, um mehr Zeit für die Vorbereitung der Unterhaltungsmusik zu gewinnen. Auftakt in die Blasmusiksaison bildeten von nun ab die beliebten Bockbierfeste. Stimmungsmusik und ein Bayerischer Vierkampf sorgen für eine ausgelassene Stimmung und Gaudi bei Besuchern aus Nah und Fern.